{"id":14771,"date":"2016-02-09T12:20:18","date_gmt":"2016-02-09T12:20:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=14771"},"modified":"2016-02-09T12:26:28","modified_gmt":"2016-02-09T12:26:28","slug":"musik-als-leibesuebung-1993-2009-uwe-rasch-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=14771","title":{"rendered":"Musik als Leibes\u00fcbung 1993 &#8211; 2009 | Uwe Rasch"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Musik als Leibes\u00fcbung 1993 - 2009 | Uwe Rasch\" src=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/Photos\/grd_29.jpg\" alt=\"Musik als Leibes\u00fcbung 1993 - 2009 | Uwe Rasch\" border=\"1\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Musik als Leibes\u00fcbung 1993 &#8211; 2009 | <a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=14521\">Uwe Rasch<\/a><\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=14710\">English<\/a> | <em>Deutsch<\/em><br \/>\nGrD 29 | CD &amp; DVD &gt; [<a href=\"https:\/\/shop.gruenrekorder.de\/?full#GrD_29\" target=\"_blank\">Bestellung<\/a>]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Er: Werden Sie eine klare Frage beantworten?<br \/>\nMathers: Das werde ich nicht tun<br \/>\nEr: Werden Sie sich weigern, eine klare Frage zu beantworten?<br \/>\nMathers: Nein, das werde ich nicht tun<br \/>\n(Flann O&#8217;Brien: Der dritte Polizist)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Studie \u00fcber Abst\u00fcrze (1)<\/em><br \/>\nIn den k\u00fcnstlerischen Arbeiten von Uwe Rasch spielt K\u00f6rperlichkeit die zentrale Rolle.<br \/>\nF\u00fcr den Bremer Komponisten lassen sich \u00e4sthetische Fragen \u2013 und mit ihnen ganz allgemein Haltungsfragen \u2013 vor allem \u00fcber die physiologische Dimension der Klangerzeugung und die Intensit\u00e4t von Artikulation thematisieren \u2013 beides interessiert ihn als theatralischer Aspekt. <em>Die Geschichte des K\u00f6rpers ist die Geschichte seiner Funktionalisierung, sagt Uwe Rasch. Die Subjekthaftigkeit des K\u00f6rpers ernst zu nehmen, bedeutet etwas anderes: konkrete Empfindungen, andere Zeiterfahrungen, Korrespondenz von Innen- und Au\u00dfenraum, Erleben und (k\u00f6rperliches) Erinnern, zielloses Agieren.<\/em> So sind f\u00fcr den Komponisten jede musikalische Aktion und die in ihr aufgehobene Symbolik eng verbunden mit der physischen (Zeit)Dimension. In der Fl\u00fcchtigkeit der Bewegung sieht der Komponist eine Analogie zur Fl\u00fcchtigkeit der Musik, <em>beide K\u00fcnste sind konstitutiv verbunden mit dem Verstreichen von Zeit<\/em>.<br \/>\nIn seinen St\u00fccken thematisiert Uwe Rasch das Problem von Kommunikation. Es geht um das Erleben von Sprachlosigkeit und den Versuch ihrer \u00dcberwindung. Dem liegt auch die Erfahrung zugrunde, dass sich traditionelle expressive Muster f\u00fcr den Ausdruck unserer widerspr\u00fcchlichen Wirklichkeit zunehmend als ungeeignet erweisen. Der Komponist setzt dagegen eine Arbeitsweise, die stark konzeptuell ausgerichtet ist. Dem Entwurf der Szenerie gilt sein besonderes Augenmerk. Oft machen bereits Idee und Gestaltung der B\u00fchnensituation weite Teile seiner St\u00fccke aus. Die St\u00fccke gleichen Versuchsanordnungen, deren Kern bereits in den Ausgangskonstellationen sichtbar wird. Diese sind zuweilen wundersam, paradox oder abstrus. Doch geht es Uwe Rasch nicht um Provokation schlechthin. Vielleicht kann man sagen, dass er eher defensive Strategien verfolgt, um die Absurdit\u00e4ten, Widerspr\u00fcche und Ungereimtheiten unserer Wirklichkeit erfahrbar werden zu lassen. In jedem Fall geht es um einen Zustand aktiven Beobachtens.<br \/>\n \u201eMal vu mal dit\u201c (\u201eSchlecht gesehen schlecht gesagt\u201c) hei\u00dft es bei Beckett(2) und bei Adorno steht: \u201edas lax Gesagte ist schlecht gedacht\u201c. Noch davor stellt sich jedoch das Problem, dass es Erfahrungen geben kann, f\u00fcr die es zun\u00e4chst gilt, \u00fcberhaupt erst eine Sprache, vielleicht sogar zuerst die eigene Stimme zu finden. Uwe Rasch greift sehr weit zur\u00fcck und setzt bei einer Kunst an, die mit ihrer ganzheitlichen Ausrichtung in rituelle Handlungen m\u00fcndet. Oft verlangt er den Interpreten isolierte K\u00f6rperaktivit\u00e4ten ab, gezielte \u00dcberforderungen und Bewegungsverselbst\u00e4ndigungen. Mechanisierung der Bewegung fungiert als Synonym f\u00fcr Entfremdung und Ersch\u00f6pfung, die in einer stereotypen Haltung ihren Ausdruck findet. <em>Der Musiziervorgang ist somit als Geste, Szene, Theater und damit als energetisches, drei- bzw. mehrdimensionales Geschehen im jeweils konkreten Raum aufzufassen, bei dem die Schnittstelle zwischen Unbewusstem und Bewusstem ber\u00fchrt w\u00fcrde. Das hei\u00dft auch, Betonung der physischen Pr\u00e4senz, des Einmaligen, Unwiederbringlichen, das Kreat\u00fcrliche als Eingriff in systemisches Denken und damit in sichernde Formanlagen und Strukturen; die Ersch\u00f6pfungen, Verletzlichkeiten, Rauheiten des Leiblichen als Arbeitsfeld mit aufzugreifen, ohne einer naiven &#8222;Zur\u00fcck-zur-Natur&#8220;-Vorstellung zu verfallen, die selbst nur ein Denkbild ist.<\/em><br \/>\nUwe Rasch bewegt sich in seinen St\u00fccken gerne auf mehreren Ebenen, in verschiedenen Dimensionen. Durch Zuspielungen k\u00f6nnen weitere Bedeutungen &#8211; oft sind es literarische Bez\u00fcge &#8211; eingef\u00fchrt werden. Den einzelnen Ebenen entsprechen unterschiedliche Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten, die den Eigengesetzlichkeiten des jeweiligen Metiers (Musik, Film, Tanz) folgen, denn auch die Teilbereiche der sinnlichen Wahrnehmung haben ihre eigene Vollst\u00e4ndigkeit. Der Komponist arbeitet mit Analogiebildungen und Kontrasten, medialen Abbildungen und \u00dcbersetzungen, Umlenkungen, Visualisierungen, Projektionen und Paradoxien, die den Betrachter in die Lage versetzen, die Zusammenh\u00e4nge \u00fcber Umwege zu verstehen. Durch seine metaphernreiche Kunstsprache kn\u00fcpft er ganze Netzwerke von Bedeutungen, in denen sich das Publikum durchaus verstricken soll: der Symbolgehalt der Bilder, die literarischen und theatralischen Konnotationen sowie die rituelle Emphase, mit der die Kunstst\u00fccke zelebriert werden, sollen verwirren. Sie bilden einen jeweils eigenen \u201eSchauplatz\u201c, an dem sich Bild-, Musik- und K\u00f6rper-Sprache amalgamieren. Uwe Rasch interessiert das verborgene Wissen, das in der Bewegung sichtbar wird, gewisserma\u00dfen als Pr\u00fcfstein f\u00fcr ihren sedimentierten Wahrheitsgehalt. <em>W\u00e4re \u00fcberhaupt noch und wenn ja wie eine Einheit der Pers\u00f6nlichkeit aus K\u00f6rper- und Subjektempfinden denkbar in einer Welt, in der Zusammenh\u00e4nge immer mehr separiert werden?<\/em><br \/>\nCarolin Naujocks<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(1) Uwe Rasch: \u201eflatter\u201c. Studie \u00fcber Abst\u00fcrze f\u00fcr Pianistenkopf und kaltes Feuer<br \/>\n(2) Uwe Rasch: Adieu des Adieus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr size=\"2\" width=\"100%\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>CD Korridor (1992-94)<br \/>\nEine Produktion von Radio Bremen<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/mp3\/korridor_ausschnitt.mp3\">MP3<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1 Track (58\u203251\u2033)<br \/>\nCD (500 copies)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>DVD St\u00fccke 1993-2009<br \/>\n1 Mit meinem Patent &#8230; 6\u201914<br \/>\n2 &#8230;, wenn ich mit der Hand &#8230; 4\u201909<br \/>\n3 pour 1\u201910<br \/>\n4 Leni entdeckt den Himmel 10\u201917<br \/>\n5 Also k\u00f6nnte ich &#8230; 19\u201908<br \/>\n6 Adieu den Adieus &#8230; 12\u201916<br \/>\n7 trasse 9\u201948<br \/>\n8 flatter 9\u201921<br \/>\n9 hab et swa is ait en 28\u201945<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/154473077\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/154473090\" width=\"500\" height=\"281\" frameborder=\"0\" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>9 Tracks (111\u203208\u2033)<br \/>\nDVD (500 copies)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sound Art Series by Gruenrekorder<br \/>\nGermany \/ 2016 \/ GrD 29 \/ LC 09488 \/ GEMA<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Musik als Leibes\u00fcbung 1993 &#8211; 2009 | Uwe Rasch English | Deutsch GrD 29 | CD &amp; DVD &gt; [Bestellung] &nbsp; Er: Werden Sie eine klare Frage beantworten? 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