{"id":344,"date":"2009-01-20T16:07:09","date_gmt":"2009-01-20T15:07:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=344"},"modified":"2023-02-17T22:22:12","modified_gmt":"2023-02-17T22:22:12","slug":"series-invisible-christoph-korn-lasse-marc-riek","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=344","title":{"rendered":"Series Invisible &#8211; Collection 1 | Christoph Korn &#038; Lasse-Marc Riek"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Series Invisible | Christoph Korn &amp; Lasse-Marc Riek\" src=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/Photos\/series-invisible.jpg\" alt=\"Series Invisible | Christoph Korn &amp; Lasse-Marc Riek\" border=\"1\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Series Invisible &#8211; Collection 1 | <a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=370\">Christoph Korn<\/a> &amp; <a href=\"http:\/\/www.lasse-marc-riek.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lasse-Marc Riek<\/a><\/strong><\/p>\n<p>GrD 05 | BOOK &gt; [<span style=\"color: #ff0000;\">Sold Out<\/span>]<\/p>\n<p>Collection 1<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=10987\">Collection 2<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#reviews\">Reviews<\/a><\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selektion starts the \u2018black series\u2019 &#8211; a sequence of books, all circumscribing, connoting and paraphrasing \u2018sound\u2019 by means of text. First book of this series is \u2018Series Invisible Collection 1\u2019 Audiowork by Christoph Korn and Lasse-Marc Riek. The book contains a detailed list of recordings and a detailed list of date and location of the erasure of these recodings + an appendix with additional information on sites and history of the respective location.<br \/>\nBook, Audiowork, 12&#215;12 cm, 59 pages, 30 places, 30 erasures.<br \/>\nSpecific locations and their sounds are recorded on MD or DAT. Later on these recordings were deleted. This process of finding a location, recording and deleting it is then captured textually. The result is an audio-event noted and transformed into script. (Korn \/ Riek)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/pdf\/rz_series_invisible.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Download PDF Series Invisible \/ 455 KB<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Introduction by Achim Wollscheid<br \/>\nWith surprise we have to notice that the more we have things the less we actually do have them. \u2018To have them\u2019 meaning to know about them, what and how they are &#8211; in relation to other things and to us and what they mean in both respects. What is that knowledge we assemble? Is there anything real beside that knowledge? What does knowledge actually mean? To have it? In terms of information, stored on data-carriers, be it carved in stone, printed in books or lasered on hard disc? Or to experience it as the inescapable flow of sounds, clips, features and messages that make up the movie of everyday? Seems that the more uncertain our reasons for being become the more of that stored or flowing data is needed to accompany us \u2013 kind of an expanding cushion to keep us from getting hold of ourselves.<br \/>\nCan there be a return to things? And to us? I don\u2019t think so, because on what corner should we turn? As artists we do, inevitably, develop, enlarge and refine the use of symbols \u2013 therefore we help to blow up that cushion \u2013 both as masters and servants of the respective methods applied. What could a responsible measure to implant a self-reflection of such methods consist of? Maybe it can consist of erasure.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Produced by Selektion \/ Achim Wollscheid<br \/>\nPublished by Selektion and Revolver.<br \/>\nISBN 978-386588-414-5 | GEMA<br \/>\nChristoph Korn \/ Lasse-Marc Riek \u00a9 2007<br \/>\nArtwork: Andreas Gnass, Offenbach am Main, Germany<br \/>\nTranslation: Bruce Carnevale<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSeries Invisible\u201c is an ongoing project. Collection 3 is planned to be released in autumn 2015.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.series-invisible.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.series-invisible.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.selektion.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.selektion.com<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.christophkorn.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.christophkorn.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.lasse-marc-riek.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.lasse-marc-riek.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr size=\"2\" width=\"100%\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2008 Phonurgia Nova Award (F)<\/strong><br \/>\nChristoph KORN et Lasse-Marc RIEK (Allemagne) pour le livre Series invisible, un album de &#8222;silences choisis&#8220;. Proposition conceptuelle que ce petit livre qui pointe, page apr\u00e8s page, vers un lieu, un \u00e9v\u00e9nement, laissant au lecteur le soin de r\u00e9fl\u00e9chir et d&#8217;imaginer les sons &#8222;qui ont eu lieu&#8220;. Le silence comme creux, de l&#8217;apparition, comme marqueur d&#8217;une disparition, comme &#8222;vision&#8220;.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.phonurgia.org\/concours_palmares.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">link<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr size=\"2\" width=\"100%\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a name=\"reviews\"><\/a><strong>Reviews<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stefan Militzer<\/strong><\/p>\n<p>Seit Jahrhunderten werden Archive gepflegt, um Schriften und Daten, T\u00f6ne und Filme, kurz: Arte\u00adfakte der Geschichte zu konservieren und zu sammeln. Die Kosten, die daf\u00fcr aufgebracht werden, sind enorm. Auch im neuen Werk von Christoph Korn und Lasse-Marc Riek wird fleissig archiviert. Allerdings legen die beiden K\u00fcnstler eine Sammlung von Verlusten vor. Die Publikation dokumen\u00adtiert Orte und Zeitpunkte von Feldaufnahmen. Nun mag es verwundern, Tondokumente abgedruckt zu finden. Die Verwirrung steigert sich jedoch zur Skurrilit\u00e4t, wenn man entdeckt, dass hier kein In\u00adhalt \u2013 wie lautmalerisch auch immer \u2013 wiedergegeben wird. Stattdessen informiert der Eintrag f\u00fcr jeden Track nur lapidar \u00fcber die Dauer der Aufnahme und den Zeitpunkt, an dem sie vom Tontr\u00e4ger irreversibel gel\u00f6scht wurde. F\u00fchren uns Korn und Riek an der Nase herum? Wollen sie mit dadaisti\u00adscher Chuzpe Kritik \u00fcben an den Tontr\u00e4gern und B\u00fcchern, deren Millionenauflagen in den Bestsel\u00adlerlisten gefeiert werden? Frei nach der Devise: weniger ist mehr?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freilich haben Korn und Riek mit der ersten Ausgabe ihrer invisible series, deren Entstehung sich \u00fcber vier Jahre hingezogen hat, keinen derben Scherz im Sinn. Ganz im Gegenteil: Sie gehen mit gro\u00dfem Ernst zur Sache. Das wird beim Blick auf die Orte des Grauens deutlich, die sich unter den gel\u00f6schten Aufnahmen befinden. Er zeigt sich aber auch schon am Umschlag des Heftchens: In der Gr\u00f6\u00dfe einer CD-H\u00fclle gehalten, erinnert der schwarze Einband an die Totenb\u00fccher des 19. Jahrhun\u00adderts, in denen die letzten Fotografien der verstorbenen Familienmitglieder aufbewahrt wurden. Und obwohl ohne jedes fotografische Dokument lauert auch zwischen diesen Buchdeckeln der Tod: Denn chronologisch nach dem Tag der Aufnahme geordnet und manchmal noch am selben Tag (sp\u00e4\u00adtestens aber einige Wochen darauf) gel\u00f6scht, finden sich unter den Orten Friedh\u00f6fe, Konzentra\u00adtionslager und Orte von Attentaten. F\u00fcr den, der sich seinen Assoziationen hingibt, f\u00fcgen sich die Puzzlest\u00fccke schnell zu einem Panorama moderner Gewaltsamkeit. So ist eine Aufnah\u00adme beispiels\u00adweise dem philosophischen Begr\u00fcnder der Moderne, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, und seinem Grab auf dem Berliner Dorotheenfriedhof gewidmet. Auch Michel Foucaults Arbeitsplatz in der \u00bbBi\u00adblioth\u00e8que Nationale\u00ab und das Frankfurter \u00bbInstitut f\u00fcr Sozialforschung\u00ab sind vertreten. Sie stehen f\u00fcr die Kritik an einer allumfassenden und nicht selten technischen Gewalt. Aufzeichnungen von den Orten, an denen Benno Ohnesorg erschossen und Rudi Dutschke schwer verletzt wurde, erwei\u00adtern das Bild um die Seite des praktischen Widerstands. Gel\u00f6schte Tondokumente aus dem Konzen\u00adtrationslager \u00bbBuchenwald\u00ab, einem Foltergef\u00e4ngnis des portugiesischen Salazarregimes, vom Reichs\u00adparteitagsgel\u00e4nde in N\u00fcrnberg und dem ehemaligen Sitz der \u00bbIG-Farben\u00ab geben einen Hin\u00adweis dar\u00adauf, welche Gewaltformen den Autoren vor Augen ge\u00adstanden haben m\u00f6gen, als sie an die Konzepti\u00adon ihres Projektes gingen. W\u00fcrde sich ihre Arbeit in\u00addes darin ersch\u00f6pfen, ausgew\u00e4hlten Or\u00adten des Staatsterrors denen des Widerstands gegen\u00fcber zu stellen, dann w\u00e4re ihre Zusammenstel\u00adlung wohl ebenso schlicht wie langweilig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den besonderen Witz an der Arbeit von Korn und Riek machen die \u2013 freilich nur auf den ersten Blick \u2013 unbedeutenden Aufnahmen aus, die zwischen die hochsymbolischen Orte gestreut wurden. Unter den St\u00fccken finden sich Dokumente aus den Privatwohnungen der beiden Tonk\u00fcnstler in D\u00fcsseldorf und Frankfurt am Main. Ein Trockendock in der N\u00e4he von Helsinki wurde aufgezeichnet und eine evangelische Kirche in Norddeutschland. So nebens\u00e4chlich diese gel\u00f6schten Aufnahmen zun\u00e4chst erscheinen m\u00f6gen: Zusammen mit den Ged\u00e4chtnisorten vor allem deutscher Geschichte erhalten sie einen unerwarteten Sinn. Denn durch sie legt sich eine Folie privater Erfahrungen \u00fcber die abstrakte Zeitgeschichte. Die Orte geradezu intimen Erlebens verl\u00e4ngern die Bedeutung der his\u00adtorischen Auseinandersetzungen gleichsam bis in die unendliche F\u00fclle des allt\u00e4glichen Lebens hin\u00adein. Ganz besonders deutlich wird das bei einem Motiv, das den mit Abstand gr\u00f6\u00dften Umfang im Buch erhalten hat: In f\u00fcnf Aufnahmen wurde das Grab von Christoph Korns Vater aufgezeichnet; weitere f\u00fcnf Aufnahmen haben dessen d\u00f6rfliche Umgebung festgehalten. Im Tod, zumal des eigenen Vaters, \u00fcberlagern einander die abstrakte Gewalt des modernen Staates und die privative Erfahrung der Fragilit\u00e4t und Bedrohtheit des eigenen Lebens. Dank dieser klaren Akzentsetzung gelingt es Korn und Riek, den politischen Unrechtserfahrungen die Dimension zur\u00fcckzugeben, die in ihrer \u00f6f\u00adfentlichen Diskussion nicht selten verloren geht: Sie holen den einzelnen Menschen und dessen Angst um sein Leben zur\u00fcck auf das gro\u00dfe Tableau der modernen Machtmechanismen. Wem diese Parallele zun\u00e4chst nicht plausibel ist, der schaue auf die einzige Tonaufnahme eines Kunstwerks, die zur Sammlung geh\u00f6rt. Es handelt sich um eine Dokumentation von Max Bills Werk \u00bbKontinuit\u00e4t\u00ab, das vor dem Unternehmenssitz der Deutschen Bank in Frankfurt steht. Hier ist der Name Programm und l\u00e4dt ein, den Br\u00fccken und Verbindungen zwischen den dokumentierten Orten nachzugehen: den vergangenen wie den gegenw\u00e4rtigen, den unterdr\u00fcckerischen wie den aufst\u00e4ndischen, den theoretischen wie den praktischen, den \u00f6ffentlichen wie den privaten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beinahe zwei Stunden haben die originalen Tonaufzeichnungen umfasst. Geblieben sind von ihnen nur leere Datentr\u00e4ger und eben die Notizen von ihrem Verschwinden. So verst\u00f6rend die Abwesen\u00adheit der eigentlichen Ger\u00e4usche zun\u00e4chst wirkt, umso \u00fcberzeugender passt sie schlie\u00dflich doch in den Rahmen des Gesamtprojekts. Denn dem Ort, an dem das Dutschke-Attentat ver\u00fcbt wurde, kommt kaum n\u00e4her, wer den Menschen und Fahrzeugen zuh\u00f6rt, die heute den Kurf\u00fcrstendamm passieren. Gleiches gilt f\u00fcr das ehemalige Foltergef\u00e4ngnis, den j\u00fcdischen Friedhof und die Wohnung von Lasse-Marc Riek. Historische Ereignisse, vergangenes Leben und die Wirkungsgeschichte von Theorien: Sie lassen sich nicht auf DAT-Kassetten bannen. Nur mithilfe des eigenen Vorstellungsver\u00adm\u00f6gens k\u00f6nnen wir die Spuren ihre Anschaulichkeit zur\u00fcckge\u00adwinnen. Deswegen laden die bekann\u00adteren Orte des Buches zur imagin\u00e4ren Wiederentdeckung, zur pers\u00f6nlichen Aneignung ein \u2013 und umso mehr tun es die unbekannten. M\u00f6glich und erw\u00fcnscht ist das gerade dort, wo das verlorene Material eine Leerstelle hinterlassen hat. Der Publikation von Korn und Riek eine quasi-authentische Ger\u00e4uschku\u00adlisse beizuf\u00fcgen, h\u00e4tte nur verdeckt, dass die Ver\u00adgangenheit nicht zur\u00fcckkehren wird. Ihre Spuren sind alles, was von ihr geblieben ist. In materialen Gegenst\u00e4nden sto\u00dfen wir nur selten auf sie, aber in unserem Wissen um die Vergangenheit sind sie pr\u00e4sent und lebendig. Genau an die\u00adser Stelle ermutigen uns Korn und Riek, nach den sedimentierten Sinnschichten und Spuren zu su\u00adchen. Freilich entdecken wir auf diesem Weg, \u00fcber den wir auf die Suche nach der Ver\u00adgangenheit gehen, vor allem uns selbst. Au\u00dferhalb unserer Erinnerung existiert keine Ge\u00adschichte. Erst unser Wissen von ihnen bringt die historischen \u00dcberbleibsel zum Sprechen. Und so ist es an uns, die Opfer von Gewalt und ihre Spuren zu bewahren und zu erinnern, denn sie leben allein in unserer Vorstel\u00adlungskraft weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In die Trauer um die Verbrechen der Moderne mischt sich dadurch auch die Wehmut um die Ver\u00adg\u00e4nglichkeit alles Zeitlichen. Dass auch die urspr\u00fcnglichen Aufnahmen selbst bereits Geschichte sind, darf in diesem Zusammenhang aber nicht als eine ironische Kommentierung ihres Inhaltes missverstanden werden. Die Auswahl der erinnerten Orte macht vielmehr deutlich, wie ernst die Autoren ihr Projekt nehmen. Dennoch rutscht die Arbeit von Korn und Riek zu keinem Moment in ein falsches Pathos ab. Dieser Gefahr entgehen die K\u00fcnstler, indem sie die symbolischen Z\u00e4suren einander best\u00e4ndig mit privaten Erlebnissen durchdrin\u00adgen lassen. In der Zeit von Rudi Dutschke h\u00e4tte man diesen Ansatz dialektisch genannt: Es w\u00e4re das gr\u00f6\u00dfte Lob gewesen, das man einer k\u00fcnstlerischen Arbeit h\u00e4tte aussprechen k\u00f6nnen. Heute sind es die Sensibilit\u00e4t und die Poesie, die die Arbeit von Korn und Riek trotz aller politischen Klarheit zu einem vielschichtigen und inspirie\u00adrenden Werk machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Julia K\u00fcmmel<\/strong><\/p>\n<p>Versuch dir vorzustellen, wie ein Ort klingt und wie er geklungen haben k\u00f6nnte. Ein Ort, mit dem Geschichte verbunden ist. Zum Beispiel den Ort, an dem Rudi Dutschke von Josef Bachmann niedergeschossen wurde. Aber nicht am 11. April 1968, sondern am 17. Juli 2004. Kannst du die Sch\u00fcsse noch h\u00f6ren oder werden sie vom L\u00e4rm des Verkehrs und den Schritten der Passanten \u00fcbert\u00f6nt? Wenn du Sch\u00fcsse h\u00f6rst, h\u00f6rst du die Vergangenheit, denn die Sch\u00fcsse selbst sind l\u00e4ngst verklungen. Wenn du den L\u00e4rm des Verkehrs und die Schritte der Passanten h\u00f6rst, h\u00f6rst du trotzdem Vergangenheit, denn der Klang dieses Tages ist ebenfalls vergangen. Und du kannst ihn auch nicht wieder h\u00f6ren, denn die Aufnahme dieses Klangs an diesem Ort zu dieser Zeit wurde gel\u00f6scht. Wenn du nichts h\u00f6rst, kennst du den Ort nicht und wei\u00dft deshalb nicht, was du h\u00f6ren k\u00f6nntest. Stell dir den Klang des Konzentrationslagers Buchenwald zur Zeit des gro\u00dfen Mordens vor. Dann stell dir den Klang des Konzentrationslagers Buchenwald am 24. Oktober 2004 vor. Bleiben die Kl\u00e4nge des Grauenvollen im Rauschen des Walds konserviert?<\/p>\n<p>Ist Klang wirklich fl\u00fcchtig?<br \/>\nBleiben Kl\u00e4nge im Ged\u00e4chtnis?<br \/>\nBleiben Kl\u00e4nge an Orten haften?<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir auf dem Reichsparteitagsgel\u00e4nde der Nazis in N\u00fcrnberg heute noch das Geschrei der m\u00f6rderischen Massen? H\u00f6ren wir an einem Ort wie dem fr\u00fcheren Foltergef\u00e4ngnis Salazars heute noch die Qualen der Gefangenen? Die Kl\u00e4nge der Orte zu der Zeit, in der sie zu besonderen Orten wurden, k\u00f6nnen wir uns, wenn wir zu der Zeit nicht dort waren, nur vorstellen. Mehr oder weniger gut, je nach dem, wieviel wir wissen oder wie ausgepr\u00e4gt unsere Phantasie ist. Die Kl\u00e4nge der Orte, die etwas Besonderes waren, zu einer Zeit in der ihr Klang wieder aufgenommen wurde, k\u00f6nnen wir uns, da wir auch da nicht dabei waren, ebenfalls nur vorstellen, wurden sie doch gel\u00f6scht. Und dann gibt es da noch die gel\u00f6schten Kl\u00e4nge der Orte, die keine \u201egro\u00dfe\u201c Geschichte hinter sich haben, sondern nur eine \u201ekleine\u201c Geschichte, eine private. Das Grab des Vaters von Christoph Korn. Aufgenommen am 30. September 2005. War es ein X-beliebiger Tag? Regnete es? Schien die Sonne? Zwitscherten V\u00f6gel? Betete jemand? K\u00f6nnen wir uns den Klang eines Ortes vorstellen, an dem wir nie waren? An was f\u00fcr Kl\u00e4nge k\u00f6nnten wir uns erinnern, da wir sie doch nie geh\u00f6rt haben? K\u00f6nnen wir uns an Niegeh\u00f6rtes erinnern, k\u00f6nnen wir es uns \u00fcberhaupt jemals vorstellen?<\/p>\n<p>Mit der Vorstellung ist es wie mit der Erinnerung: it`s all in our mind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>jez riley french<\/strong><\/p>\n<p>Over the last couple of years I have talked &amp; written more about my work than before &amp; one thing I often find myself talking about in a workshop or lecture situation is that very often some of the most important sounds I hear are the ones I don\u2019t record, that it is equally important to press \u2018record\u2019 as it is to not press that button. It\u2019s a tricky thing to explain as it is related to personal feelings and a momentary intuitive action.<\/p>\n<p>This small book by Christoph &amp; Lasse-Marc explores an act that could perhaps be seen as a theoretical attempt to remove the sound but retain the recording process.<\/p>\n<p>\u2018Specific locations and their sounds are recorded on MD or DAT. Later on these recordings were deleted. This process of finding a location, recording and deleting it is then captured textually. The result is an audio-event noted and transformed into script\u2019 (extract from the introduction &#8211; Korn \/ Riek)<\/p>\n<p>The following pages each contain one set of details: location, date &amp; time of recording, date &amp; time of deletion &amp; duration of original recording. After that there are several pages of notes with small details of some of the locations or related events.<\/p>\n<p>It\u2019s a hard book to review. In fact I feel that an essential element of this book is that, like the recordings themselves, it exists as an object on the edge of existing. Something to view out of the corner of ones eye rather than with full attention. For me, that is the best way to view this book. To glance at it, read the emptiness of the pages below the two or three lines of text and it\u2019s blank dark blue cover.<\/p>\n<p>So, when is a field recording not an actual physical recorded object&#8230;.but still a recording, a creative act ? There are two answers that come immediately to mind:<\/p>\n<p>1) When the process is retained and valued by those participating.<\/p>\n<p>2) Simply, when we actively listen, when we turn on our ears. Whether we press record, don\u2019t press record or press record &amp; then lose or delete said recording does not alter the act of a sound passing into our memory, being recorded into our life experience.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/jezrileyfrench-inplace.blogspot.com\/2008\/12\/series-invisible-audio-work-by.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">link<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dan Warburton | <a href=\"http:\/\/www.paristransatlantic.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paris Transatlantic Magazine <\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>I rip the envelope open, pull out the booklet and assume there must be some mistake \u2013 where&#8217;s the CD? They forgot to stick it in the booklet! But then I read the first page: &#8222;Specific locations and their sounds are recorded on MD or DAT. Later on these recordings were deleted. This process of finding a location, recording and deleting it is then captured textually. The result is an audio-event noted and transformed into script.&#8220; Well, I suppose it had to happen sooner or later. The past few years have seen a slew of ultraminimal albums come this way, including several that make old reductionist chestnuts like Malfatti \/ Durrant \/ Lehn&#8217;s beinhaltung sound positively garrulous \u2013 one features no actual playing at all, just recordings of empty rooms (Noid&#8217;s You&#8217;re Not Here on Hibari), and then of course there&#8217;s Reynols&#8216; infamous &#8222;dematerialised CD&#8220;, Gordura Vegetal Hidrogenada (an empty CD box!) \u2013 so perhaps I shouldn&#8217;t be surprised to find no disc at all, just a booklet that describes where and when these thirty tracks were recorded. Assuming, of course, they were \u2013 I guess we&#8217;ll just have to take Christoph Korn&#8217;s word for it. The jury at last year&#8217;s Phonurgia Nova certainly did, because they awarded this particular project a special prize.<br \/>\nNow, part of me wants to take all this seriously (though not as seriously as Selektion boss man Achim Wollscheid does in his liner notes), treating the booklet as a kind of score, an invitation to reflect on the places and people involved (Adorno, Foucault..), or a set of instructions to follow. Several of the locations where the &#8222;pieces&#8220; were recorded are described quite precisely \u2013 the Sibelius Monument in Helsinki, the courtyard of a private apartment in Frankfurt (address withheld here in case it belongs to his granny, who probably wouldn&#8217;t appreciate dozens of weird new music freaks descending on the place), the exact spot where somebody fired three shots at student activist leader Rudi Dutschke on April 11th 1968, etc. \u2013 so it would, I imagine, be possible to visit them, in the same way that many trekked round Akio Suzuki&#8217;s oto-date as part of his <a href=\"http:\/\/www.paristransatlantic.com\/magazine\/monthly2005\/06jun_text.html#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">R\u00e9sonances exhibition<\/a> here in Paris back in 2004. You could even make your own field recording there, if you so wished.<br \/>\nThe other part of me remembers Hans Christian Andersen&#8217;s 1837 fairy tale, The Emperor&#8217;s New Clothes. Sadly, there&#8217;s no shortage of Jesse Helms-like creeps prowling the corridors of power who&#8217;d be more than willing to use a project like this as a club to beat Contemporary Art and Arts Funding over the head with. As I scroll down through the dozens of emails I receive each week from small venues struggling to promote challenging new music against the odds on a shoestring budget, I&#8217;m not sure that if I&#8217;d been a member of the Phonurgia Nova jury I wouldn&#8217;t have been inclined to hand Messrs Korn and Riek an empty envelope containing a dematerialised cheque.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.paristransatlantic.com\/magazine\/monthly2009\/05may_text.html#10\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">link<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Series Invisible | <a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=370\">Christoph Korn<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=21\">Lasse-Marc Riek<\/a> <\/strong><br \/>\n<strong>@ Curt Cuisine | <a href=\"https:\/\/www.gruenrekorder.de\/?page_id=12999\">skug \u2013 Journal f\u00fcr Musik<\/a><\/strong><br \/>\nHail to the Sound!<br \/>\nEine kurze W\u00fcrdigung des deutschen Gruenrekorder-Labels.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Series Invisible &#8211; Collection 1 | Christoph Korn &amp; Lasse-Marc Riek GrD 05 | BOOK &gt; [Sold Out] Collection 1 Collection 2 Reviews &nbsp; Selektion starts the \u2018black series\u2019 &#8211; a sequence of books, all circumscribing, connoting and paraphrasing \u2018sound\u2019 by means of text. 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