Review | By Holger Adam / skug – MUSIKKULTUR
Everyday Infrasound in an Uncertain World | Brian House
Nüchtern betrachtet, lässt sich, was als Musik zu Gehör kommt, auf mathematische bzw. physikalische Grundlagen zurückführen. Klang besteht aus Frequenzen, Schallwellen im für Menschen hörbaren und nicht hörbaren Bereich. Infrasound wiederum besteht aus Niedrigfrequenzen, die uns alltäglich umgeben, wir aber nicht wahrnehmen können – es sei denn, sie werden aufgezeichnet und anschließend in den Frequenzbereich übersetzt, der dem menschlichen Ohr zuträglich ist. Wie dies genau vonstattengeht, ich kann es nicht wirklich erklären. Weder in Physik noch in Mathematik war ich besonders gut in der Schule. Aber Brian House hat sich mit einer entsprechenden Versuchsanordnung darangemacht, Infrasound einzufangen, hörbar zu machen und als Musik zu veröffentlichen. Im Begleittext zu »Everyday Infrasound In An Uncertain World« erläutert House sein Vorgehen und kontextualisiert seine Experimente, sodass auch nicht naturwissenschaftlich geneigten Menschen einleuchten kann, was das soll. Die Veröffentlichung kreist um eine paradoxe Situation. Die physikalischen Phänomene können in ihrer eigentlichen Form zwar dokumentiert, aber (ästhetisch) nicht rezipiert werden – zumindest nicht mit den Ohren. Die zugrundeliegenden Datensätze können aufgenommen und gelesen, aber nicht gehört werden. Was im Anschluss an die Bearbeitung dieser Daten tatsächlich gehört werden kann, ist eine veränderte, an den menschlichen Wahrnehmungsapparat angepasste Form dieser geisterhaften Schallwellen. […]