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Reviews | By Rigobert Dittmann / Bad Alchemy Magazin (133) – Kozmické louky | Magdaléna Manderlová – Ghostly Waters | David Vélez

Reviews | By Rigobert Dittmann / Bad Alchemy Magazin (133)
Kozmické louky | Magdaléna Manderlová
Kozmické louky (Gruen 230, LP), das sind die Vogelwiesen von Kozmice, ein renaturiertes Feuchtgebiet in Mährisch- Schlesien, nahe der polnischen Grenze. MAGDALÉNA MAN- DERLOVÁ stammt daher, hat jedoch ihr Studium nach dem Master in Ostrava in Trondheim fortgesetzt und lebt nun in Oslo. Sie schuf mit ‚Leangenbukta‘ und ‚In a Salty Stream‘ Sound Art aus vogeligen Klangwelten bei Trondheim und bei Castro Marim in Portugal, und war für ‚The Field upon which I Walk is the Song‘ inspiriert durch John Bergers Essay „The Field“. Auch diese LP führt in den Lebensraum von Piepmät- zen und Schreihälsen, im Vorfrühling und Sommer, in der Morgendämmerung oder bei Nacht. Mit Schnabelquak von Enten und Flügelschlag von Gänsen, von Ferne bellt ein Hund. Frösche quarren und keckern in geilen Massen, plumpsen ins Wasser. Insekten summen, Gefiedertes kräht und piepst poly- glott, sogar ein Kuckuck ruft. Wobei Manderlová das verdich- tet und mischt, einen in leisem Frühlingsregen stehen lässt, und ein Zug vorüberdopplert. Gefolgt von Peter Cusack mit vibrierend geharftem Draht bei ‚Wind in the face‘. Aus dessen Feldaufnahmen, Tierstimmen, Glockenläuten und glockigem Dingdong formte Lucie Páchová dann ‚Mokřad‘. []

 

Ghostly Waters | David Vélez
DAVID VÉLEZ nimmt mit Ghostly Waters (Gruen 231, DL + Postcards) mit zum River Cal- der, bei Warley und Norland im Distrikt Calderdale in West Yorkshire, England. Der 1973 in Bogotá geborene Sound Artist mit einem PhD in Sonic Art and Music Technology an der University of Huddersfield nähert sich dabei über ein bloß phänomenologisches Hören hinaus mit einer ‚taktilen Musik‘ aus hydro- und geophonen Aufnahmen quasi diagnostisch an. Denn dass der Calder durch die einstigen Textilfärbereien, eine stillgelegte Teerbren- nerei und unkontrollierte Abwässereinleitungen der am zweitstärksten verschmutzte Fluss Englands ist, das hört man nicht. Ebensowenig den Reichtum an Kalzium- und Magnesiumkarbonat im Fluss und im landwirtschaftlich genutzten Flusstal. Als Relikt aus dem Karbon vor über 310 Millionen Jahren, als die Gegend – der am Äquator gelegene avalonische Teil von Laurussia/Euramerika – ein tropischer Regenwald gewesen ist voller Megafauna. Die Postkarten, gezeichnet von Lina Velandia, die seit Jahren die Klangkunst von Vélez illustriert, zeigen riesenamphibische Geister dieser Vergangenheit. Eine Ver- gangenheit, die im Calder weiter blubbert, gurgelt, kratzt, knistert und durch Kohle- und Schieferschichten sein Wasser schwärzt. So wie seine Verunreinigung die Hi-Fidelity ‚verschmutzt‘. []