Veröffentlicht am

Reviews | By Rigobert Dittmann / Bad Alchemy Magazin (134) – Simon Whetham & Gregory Büttner & Artificial Memory Trace

Reviews | By Rigobert Dittmann / Bad Alchemy Magazin (134)
A sounding walk through a situation that’s already finished and a place that no longer exists | Simon Whetham & Gregory Büttner
SIMON WHETHAM & GREGORY BÜTTNER sind Partner, durch „The Arc Sessions“ mit noch Francisco Meirino (2016 in Romanmôtier, Schweiz) und die Installation/Performance ‚Place is the Space‘ (2018 in Hamburg). A sounding walk through a situation that’s already finished and a place that no longer exists (GrDI 232, DL) realisierten sie im Sommer 2022 beim Festival ‚Between Ebb and Flow‘ erneut in Hamburg. Es ist, nach ihrem Dafürhalten, und ist auch nicht: Ein Dokument. Eine Komposition. Ein Sound-Walk. Eine Installation. Eine Performance. Ein Update von ‚Place is the Space‘.
In einer offenen Halle, an der Elbe, gegenüber eine Fabrikanlage, auf einer Mauer steht „BAD“. So oder so ist es doch Sound Art, 5 Tage komprimiert auf 6 Stunden, 6 Stunden verdichtet auf 42 Minuten. Metalloid durch Kanister und große Behälter als Resonanzkörper, durch Hantieren mit Eisen, durch Klopflaute, Vibration und Ventilatorik perkussiv, ja sogar rhythmisch. Dazu murmelig liquid, wie dumpfe Hydrophonie oder leises Rinnen. Überhaupt dominiert eine leise Low Fidelity als Spielraum für zwei einsame Spieler, die die einsame Stille eher betonen als stören wollen. Ihre scharrenden, kollernden, knisternden, tropfenden Geräusche imitieren eher den Wind, erst surrende Automatik sowas wie Arbeit. []

 

presents AAA rtefact: Angelus Phenomena I. | Artificial Memory Trace
Mit ARTIFICIAL MEMORY TRACE presents AAA rtefact: Angelus Phenomena I. (GrDl 233, DL) gibt es ein Wiederhören mit Slavek Kwi. Der Tscheche, der in seinen belgischen Jahren bekannt wurde, lebt seit einem Vierteljahrhundert in Irland und betreibt weiterhin seine Projekte alfa00 (=a telepathic broadcast station for time travelers’ news) und uni. SOL (=United Artists for Well-Being of Solar System). Hier erklingen, nach wie vor unter dem Motto “All soundlifeforms are welcome! No tonal racism!“, ein Roaratorio aus Feldaufnahmen und Cut-up-Collagen, die wieder um Chance Operation Games und Chro-Fi (Chronological Fidelity) kreisen. Mit dazu dem fragenden Untertitel: Sound Invasion? Propaganda of Ideology? Territorial Signals? Time perception manipulations? Und lokal um Cappaduff und Mountshannon am Lough Derg in Eastern Clare. Als ‚Soundtuary‘ (=a sanctuary for sound : ein Refugium für den Klang). Dabei als erzkatholischem Boden, der über viele Generationen akzentuiert wurde durch das dreimal tägliche Angelusläuten, während das namensgebende ‚Angelus Domini nuntiavit Mariæ‘ aufgefächert wurde in morgens die marianische Antiphon ‚Regina caeli‘, mittags das Responsorium ‚Tenebrae factae sunt, dum crucifixissent Jesum Judaei‘ und abends dreimal das ‚Ave Maria‘. Vogelstimmen, summende Insekten, rauschende Verkehrs- und Regengeräusche und mono- tone Glockenschläge sind da mehr als nur Lokalkolorit, es sind die Zeit und diverse klingende Lebensformen, die dem Raum einwohnen und ihn beleben. []